Schweigende Sedimente II
| Height | 40 cm |
|---|---|
| Width | 40 cm |
| Length/Depth | 3 cm |
Acryl auf Leinwand
Das vorliegende Werk entfaltet seine Wirkung in einer konzentrierten Verdichtung. In einer hellen, nahezu entmaterialisierten Farbigkeit aus Weiß-, Grau- und zarten Beigetönen erscheint die quadratische Bildfläche zunächst zurückgenommen, beinahe lautlos. Erst im verweilenden Blick offenbart sich die innere Bewegung, die diesem stillen Erscheinungsbild eingeschrieben ist.
Die Farbe wurde in einem fließenden Verfahren aufgetragen: stark verdünnte, aufeinander reagierende Schichten wurden über die horizontal gelagerte Leinwand gegossen und sodann der Schwerkraft überlassen. Aus diesem bewusst zugelassenen Prozess entstehen vertikale Läufe, feine Schleier und subtile Verdichtungen. Der malerische Akt vollzieht sich hier weniger als gestische Setzung denn als gelenktes Geschehenlassen – als ein Ineinandertreten von Entscheidung und Kontingenz, das eine fragile Balance hervorbringt.
Die Oberfläche trägt Spuren des Trocknens, der Ablagerung und des allmählichen Versickerns. Zarte Übergänge, kaum merkliche Brechungen und leichte Unregelmäßigkeiten durchziehen das Bild wie leise Nachklänge einer vergangenen Bewegung. Nichts drängt sich auf; die Bildtiefe entsteht nicht illusionistisch, sondern atmosphärisch – als ein Raum, der sich eher erspüren als eindeutig fassen lässt.
Inhaltlich bewegt sich das Werk im Spannungsfeld von Präsenz und Entzug. Die Reduktion der Mittel, das Fehlen klar konturierter Formen und die Zurücknahme des Kontrasts verweisen auf Zustände des Übergangs: zwischen Erscheinung und Verlöschen, zwischen Materialität und Auflösung. Die vertikalen Spuren lassen sich als Sedimente der Zeit lesen – als sichtbare Niederschläge eines Prozesses, der weniger ein Motiv abbildet als eine Erfahrung einschreibt.
Das kleinere Quadrat intensiviert diese Wirkung. Es bündelt die Wahrnehmung und verdichtet den Bildraum zu einer konzentrierten Zone der Aufmerksamkeit. Der Betrachter steht nicht vor einem ausgreifenden Feld, sondern vor einer kompakten Präsenz, die Nähe verlangt und eine verlangsamte Betrachtung einfordert. Bedeutung stellt sich hier nicht abrupt ein; sie bildet sich allmählich, gleichsam sedimentierend, im Akt des Betrachtens.
So wird das Bild zu einem Ort der Sammlung im Kleinen. Es verweigert eindeutige Zuschreibungen und behauptet stattdessen eine poetische Offenheit, in der sich Material, Zeit und Wahrnehmung in stiller, nachhaltiger Korrespondenz begegnen.
Konstantin Lischkoff-Knecht
Mr Knecht studied Fine Art at the Academy of Fine Arts in Munich from 2012 to 2020, under Günther Förg and Jorinde Voigt.
Knecht also took part in Anne Imhof’s project class and engaged in lively exchanges with various lecturers and students at the Academy.
Artist Statement
My artistic journey is deeply rooted in Abstract Expressionism, a style characterised by spontaneous, emotional and unbridled forms of expression. The works of pioneers such as Mark Rothko and Willem de Kooning, as well as artists like Cy Twombly and Georg Baselitz, have significantly shaped my understanding and appreciation of the raw, immediate power of colour and form.
In my paintings, I strive to explore the boundaries of visual language and to convey the emotions and thoughts that move me onto the canvas. Abstract Expressionism offers me the freedom to express myself beyond traditional forms and conventions. This style allows me to experiment with colours, textures and compositions to create a deep and often intuitive resonance.
For me, every canvas is a slaughtering block upon which I come to terms with inner conflicts, feelings and thoughts. The movement of the brush, the flow of paint and the bold gestures reflect the intensity and spontaneity that lie at the heart of my work. The factor of time plays a very intimate role in the creative process: For me, the flow of paint and the resulting emergence of the image represent the passing of the states of my inner life as they are immediately experienced. This process is ultimately concealed from the viewer – the viewer is presented only with the outcome of my process. Through this unfiltered form of artistic expression, I strive to draw viewers into a world of emotion that is as subjective and multi-layered as human experience itself.
Abstract Expressionism has provided me not only with a stylistic framework, but also with a philosophical foundation. It reminds me that art should not merely be viewed, but experienced – it should create a direct and often personal connection between the work and the viewer.
Exhibitions (selection):
2015 Polish Institute Platan / Latarka Gallery (Budapest)
2015 Salon Kennedy (Frankfurt)
2015 Kunstverein Wiesbaden (Wiesbaden)
2016 Catholic Academy Munich (Munich)
2017 Lothringer 13 (Munich)
2017 Art Homes (Munich)
2018 Kunstarkaden (Munich)
2018 Haus 10 (Fürstenfeldbruck)
2023 Kunstarkaden (Munich)
2024 Kunstpavillon (Munich)