Sediment der Wärme
| Height | 100 cm |
|---|---|
| Width | 100 cm |
| Length/Depth | 2.5 cm |
Acryl auf Leinwand
2026
Dieses Werk konzentriert die Wirkung der Farbe auf ein kleines, nahezu intimes Format. Die quadratische Bildfläche wird von einem leuchtenden Rot-Orange durchdrungen, das zwischen glühender Wärme und stiller Tiefe oszilliert. Trotz seiner monochromen Erscheinung ist die Oberfläche reich an Nuancen: Verdichtungen, Aufhellungen und feine vertikale Spuren durchziehen das Bild und verleihen ihm eine innere Bewegung, die sich erst nach und nach erschließt.
Grundlage der Arbeit ist eine vom Künstler entwickelte Fließ- und Schütttechnik. Stark verdünnte Acrylpigmente werden in zahlreichen lasierenden Schichten auf die Leinwand gebracht und dem Einfluss der Gravitation überlassen. Die Farbe wird nicht allein aufgetragen, sondern in ihrem Fließen beobachtet und gelenkt. Während der Künstler die Bedingungen des Prozesses bestimmt, entstehen die konkreten Verläufe im Zusammenspiel von Material, Zeit und Schwerkraft. Das Bild ist somit nicht lediglich Resultat einer Handlung, sondern Zeugnis eines Geschehens.
Die feinen vertikalen Bahnen, die sich über die Oberfläche ziehen, erinnern an Spuren von Regen, Licht oder sedimentierte Zeit. Sie verleihen der monochromen Fläche eine räumliche Tiefe, die nicht illusionistisch erzeugt wird, sondern aus dem Material selbst hervorgeht. Die Farbe scheint sich aufzulösen und zugleich zu verdichten, wodurch eine Atmosphäre entsteht, die gleichermaßen körperlich und immateriell wirkt.
Besondere Bedeutung kommt dabei der Gravitation zu. Sie ist nicht bloß technischer Faktor, sondern konzeptueller Bestandteil der Arbeit. Das Bild macht sichtbar, wie natürliche Kräfte an seiner Entstehung mitwirken. Die Fließbewegungen dokumentieren einen Prozess, der sich nicht vollständig kontrollieren lässt und gerade deshalb seine ästhetische Eigenständigkeit gewinnt. Die Malerei wird zu einer Form der Zusammenarbeit zwischen künstlerischer Setzung und den Gesetzmäßigkeiten der Materie.
Im Unterschied zu großformatigen Arbeiten entfaltet das kleinere Format eine konzentrierte Intensität. Der Betrachter tritt dem Werk nicht als überwältigendem Farbraum gegenüber, sondern begegnet ihm in unmittelbarer Nähe. Dadurch gewinnen die subtilen Übergänge und feinen Oberflächenstrukturen an Bedeutung. Das Auge beginnt, in der scheinbar einheitlichen Farbe Unterschiede wahrzunehmen und den Spuren ihrer Entstehung nachzugehen.
So eröffnet das Werk einen kontemplativen Erfahrungsraum. Es erzählt nichts und bildet nichts ab; vielmehr macht es einen Prozess sichtbar. Farbe erscheint hier nicht als Mittel zur Darstellung, sondern als eigenständiges Ereignis – als Verdichtung von Zeit, Bewegung und Wahrnehmung in einer einzigen, leuchtenden Bildfläche.
Konstantin Lischkoff-Knecht
Mr Knecht studied Fine Art at the Academy of Fine Arts in Munich from 2012 to 2020, under Günther Förg and Jorinde Voigt.
Knecht also took part in Anne Imhof’s project class and engaged in lively exchanges with various lecturers and students at the Academy.
Artist Statement
My artistic journey is deeply rooted in Abstract Expressionism, a style characterised by spontaneous, emotional and unbridled forms of expression. The works of pioneers such as Mark Rothko and Willem de Kooning, as well as artists like Cy Twombly and Georg Baselitz, have significantly shaped my understanding and appreciation of the raw, immediate power of colour and form.
In my paintings, I strive to explore the boundaries of visual language and to convey the emotions and thoughts that move me onto the canvas. Abstract Expressionism offers me the freedom to express myself beyond traditional forms and conventions. This style allows me to experiment with colours, textures and compositions to create a deep and often intuitive resonance.
For me, every canvas is a slaughtering block upon which I come to terms with inner conflicts, feelings and thoughts. The movement of the brush, the flow of paint and the bold gestures reflect the intensity and spontaneity that lie at the heart of my work. The factor of time plays a very intimate role in the creative process: For me, the flow of paint and the resulting emergence of the image represent the passing of the states of my inner life as they are immediately experienced. This process is ultimately concealed from the viewer – the viewer is presented only with the outcome of my process. Through this unfiltered form of artistic expression, I strive to draw viewers into a world of emotion that is as subjective and multi-layered as human experience itself.
Abstract Expressionism has provided me not only with a stylistic framework, but also with a philosophical foundation. It reminds me that art should not merely be viewed, but experienced – it should create a direct and often personal connection between the work and the viewer.
Exhibitions (selection):
2015 Polish Institute Platan / Latarka Gallery (Budapest)
2015 Salon Kennedy (Frankfurt)
2015 Kunstverein Wiesbaden (Wiesbaden)
2016 Catholic Academy Munich (Munich)
2017 Lothringer 13 (Munich)
2017 Art Homes (Munich)
2018 Kunstarkaden (Munich)
2018 Haus 10 (Fürstenfeldbruck)
2023 Kunstarkaden (Munich)
2024 Kunstpavillon (Munich)