Waldgang im Unterholz
| Height | 160 cm |
|---|---|
| Width | 150 cm |
| Length/Depth | 5 cm |
2021-2025
Acryl auf Leinwand
Dieses Gemälde zeigt einen kleinen, verdorrten Baum, der im Unterholz eines Waldes steht. Sein Stamm ist von herabhängendem Moos überzogen, seine Äste wirken brüchig und ausgedünnt, fast aufgelöst in der umgebenden Vegetation. Das Motiv entstammt keiner idealisierten Vorstellung von Natur, sondern einer konkreten Beobachtung: Der Künstler begegnete diesem Baum während jahrelanger Waldspaziergänge in der Nähe seines Ateliers. Mit der Zeit wurden diese Wege bewusster, führten tiefer ins Unterholz hinein und entwickelten sich zu einer Quelle kontinuierlicher Wahrnehmung und Inspiration.
Die Malerei entsteht aus einem prozesshaften Umgang mit Farbe. Stark verdünnte Pigmente werden in mehreren Schichten auf die Bildfläche gebracht und dürfen unter dem Einfluss der Schwerkraft fließen. Die Farbe rinnt, sammelt sich, verdichtet sich und trocknet in vertikalen Bahnen. Diese Technik erzeugt keine glatte Oberfläche, sondern ein Geflecht aus Spuren, Ablagerungen und Durchbrüchen, das an natürliche Prozesse erinnert: an Regen, an Sickerwasser, an das langsame Überziehen von Oberflächen durch Moos und Zeit.
Der Baum selbst wird nicht zeichnerisch fixiert, sondern wächst aus der Malerei heraus. Seine Gestalt entsteht durch Überlagerungen von hellen, erdigen und grünen Tönen, die sich vom unteren Bildrand nach oben verdichten. Weißliche und fahle Graunuancen lassen den Stamm porös erscheinen, während grüne und braune Farbschichten den feuchten Waldboden andeuten. Die herablaufenden Linien der Farbe greifen das Motiv des Mooses auf und übertragen es in eine malerische Bewegung.
Inhaltlich steht das Werk in einer Tradition der Naturbegegnung, die weniger auf Darstellung als auf Erfahrung zielt. Der Wald erscheint hier nicht als idyllische Landschaft, sondern als Ort des Übergangs, des Werdens und Vergehens. Der kleine, verdorrte Baum ist kein heroisches Motiv, sondern ein beiläufiges, beinahe übersehenes Detail – gerade dadurch von besonderer Präsenz. Er wird zum Träger einer stillen Aufmerksamkeit, wie sie auch die Romantiker suchten: nicht im Erhabenen, sondern im scheinbar Unscheinbaren.
So verbindet das Bild gegenständliche Beobachtung mit einem offenen malerischen Prozess. Die Technik folgt denselben Gesetzmäßigkeiten wie das Motiv selbst: Fließen, Ablagern, Auflösen. Malerei und Natur geraten in ein stilles Echo zueinander. Das Werk lädt dazu ein, langsamer zu sehen – und sich auf jene unspektakulären Momente einzulassen, in denen Wahrnehmung, Erinnerung und Material eine gemeinsame Form finden.
Konstantin Lischkoff-Knecht
Mr Knecht studied Fine Art at the Academy of Fine Arts in Munich from 2012 to 2020, under Günther Förg and Jorinde Voigt.
Knecht also took part in Anne Imhof’s project class and engaged in lively exchanges with various lecturers and students at the Academy.
Artist Statement
My artistic journey is deeply rooted in Abstract Expressionism, a style characterised by spontaneous, emotional and unbridled forms of expression. The works of pioneers such as Mark Rothko and Willem de Kooning, as well as artists like Cy Twombly and Georg Baselitz, have significantly shaped my understanding and appreciation of the raw, immediate power of colour and form.
In my paintings, I strive to explore the boundaries of visual language and to convey the emotions and thoughts that move me onto the canvas. Abstract Expressionism offers me the freedom to express myself beyond traditional forms and conventions. This style allows me to experiment with colours, textures and compositions to create a deep and often intuitive resonance.
For me, every canvas is a slaughtering block upon which I come to terms with inner conflicts, feelings and thoughts. The movement of the brush, the flow of paint and the bold gestures reflect the intensity and spontaneity that lie at the heart of my work. The factor of time plays a very intimate role in the creative process: For me, the flow of paint and the resulting emergence of the image represent the passing of the states of my inner life as they are immediately experienced. This process is ultimately concealed from the viewer – the viewer is presented only with the outcome of my process. Through this unfiltered form of artistic expression, I strive to draw viewers into a world of emotion that is as subjective and multi-layered as human experience itself.
Abstract Expressionism has provided me not only with a stylistic framework, but also with a philosophical foundation. It reminds me that art should not merely be viewed, but experienced – it should create a direct and often personal connection between the work and the viewer.
Exhibitions (selection):
2015 Polish Institute Platan / Latarka Gallery (Budapest)
2015 Salon Kennedy (Frankfurt)
2015 Kunstverein Wiesbaden (Wiesbaden)
2016 Catholic Academy Munich (Munich)
2017 Lothringer 13 (Munich)
2017 Art Homes (Munich)
2018 Kunstarkaden (Munich)
2018 Haus 10 (Fürstenfeldbruck)
2023 Kunstarkaden (Munich)
2024 Kunstpavillon (Munich)